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Der Karneval aus der Sicht des Touristen

Reiseangebote, Bücher und Websites über den Karneval in Venedig zeigen oft ein falsches Bild von diesem Event: es wird vorgegaukelt, dass man viele, viele Masken sieht, sie ruhig betrachten kann und das Ganze eine sehr gemütliche und edle Angelegenheit ist.

Der Reisende, der dem Karneval in Venedig einige Tage lang beiwohnt, findet sicher auch etwas von Venezianischer Gemütlichkeit, denn unter der Woche, speziell zeitig am Morgen, kann man sich auch in den Straßen um den Markusplatz noch passabel bewegen.

Schlimm wird die Situation am Samstag vor dem Faschingsdienstag. Die Menschen stecken Schulter an Schulter in den Straßen fest und bewegen sich - wenn überhaupt - nur Schritt für Schritt auf den Markusplatz zu. Da nützt es auch nichts, Schleichwege zu benutzen - je näher man dem Hauptort des Geschehens kommt, umso verstopfter sind die Straßen. Aber auch am Markusplatz kommt man nur zäh voran und von unzähligen Masken, wie es auf Reisegusto machenden Prospekten vorgetäuscht wird, ist nichts zu sehen. Man muss sie in den Menschenmassen suchen wie die Stecknadel im Heuhaufen - und hat man endlich eine entdeckt, ist sie bereits von unzähligen Touristen und Fotografen umringt.

Solltet Ihr euch tatsächlich ins Getümmel werfen wollen, hütet euch vor Taschendieben! So phantasielos das Outifit auch anmutet: ein Umhang, den man im Gedränge um sich zieht, hat sich bestens bewährt.

In Venedig ist besonders zur Karnevalszeit alles sehr teuer. Wenn man sich nicht auskennt, bezahlt man noch mehr. Will man sich die Sohlen nicht mehr ablaufen als unbedingt nötig, wird man die "vaporetto", die öffentliche "Wasser-Straßenbahn" nehmen. Ein einzelner Fahrschein kostet 5,- Euro, hat man einen Koffer bei sich, kostet der auch noch einmal 5,- Euro. Es existiert eine breite Palette von Mehr-Tages-Karten und man sollte sich die Zeit nehmen herauszufinden, welche im jeweiligen Fall die günstigste ist.

Souvenirläden bieten Masken an. Wer genau schaut, wird große Unterschiede entdecken. Die meisten sind maschinell eingefärbt und haben als Mund einen unschönen Farbfleck. Andere sind korrekt (wie diese rechts im Bild) - sie wurden von Hand bemalt, sind unwesentlich teurer als die Massenprodukte, jedoch viel schöner!

Blenden wir Gedränge und Nepp aus und wenden wir uns dem eigentlichen Ziel der Reise, dem Karneval, zu.

Die Stadtväter von Venedig gaben sich 2006 viel Mühe, diese Veranstaltung nicht nur mit historischen Gebäuden zu umrahmen, sondern auch am Markusplatz ein interessantes Programm zu bieten. Abends wurden auf einer großen Bühne Showeinlagen geboten, auf einer kleinen Bühne fanden mittelalterliche Theaterspiele statt. Über den gesamten Markusturm wurden Bildprojektionen geworfen - ein Schauspiel, das bei allen großen Anklang fand.

Zum Karneval lebt Venedig auf.
Immer noch hängt die Weihnachtsbeleuchtung in den Straßen. Sie wird erst nach dem Karneval abgenommen. Die Geschäfte bieten ihre Waren feil, die Gondoliere steuern ihre eleganten Boote durch die Kanäle und abends feiern die Menschen: laut und mit Begeisterung.

Und in all diesem Trubel und Lichterspiel posieren die Venezianischen Masken wie Felsen in der Brandung. Es scheint, als würde sie nichts erschüttern. Mit großen Augen blicken sie verwundert auf das hektische Treiben um sie, in ihrer Schönheit und Eleganz erhaben über alles Negative dieser Welt. Ihr Requisit scheint ihnen das Wichtigste zu sein - vielleicht, weil es das einzige ist, was sie aus ihren phantastischen Welten von anderen Planeten mitgebracht haben ...

Zurück in heimatlichen Gefilden rekapituliert der Karneval-Touri und versucht, die Erinnerungsfragmente zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Die geschossenen Fotos helfen dabei. Erst bei genauerer Betrachtung der Bilder erkennt man, was das Auge in der Reizüberflutung vor Ort gar nicht wahrgenommen hat und die flüchtigen Eindrücke komplettieren sich.

Ganz sicher wird dem Reisenden eines nicht gelingen: Jemandem, der noch nie beim Karneval in Venedig dabei war, die Atmosphäre und die unzähligen Impressionen zu vermitteln, die die historische Stadt, ihre Menschen und Masken in diesen Tagen bereit halten.



© Tatjana Suchovsky.
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