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Der Karneval aus der Sicht des Hobbyfotografen

Für an Fotografie Interessierte bietet der Karneval in Venedig eine eigene Show: die Arbeitsweisen und Ausrüstungen der Star- und Profi-Fotografen, die sich hauptsächlich dann um die Masken scharen, wenn sie nur wenige oder keine Touristen umschwirren.

Wenn jemand gewöhnt ist, Motive zu fotografieren, die das Leben - oft nur für den Bruchteil einer Sekunde - bereithält, bietet sich hier eine ganz andere Art der Bildgestaltung an. Die Maske steht ruhig und manche von ihnen mögen es sogar, wenn sie der Fotograf für das optimale Foto "einweist".

Hochkonzentriert auf sein Motiv rückt der Profi das Objekt ins rechte Licht: zuerst persönlich, indem er die Maske
in Position bringt - manchmal sogar so, dass er sie eigenhändig "zurechtbiegt" (was sie aber nicht unbedingt mögen). Dann begibt er sich zu seinem Stativ oder bezieht den "optimalen Punkt" und dirigiert nach. "Noch einen Schritt nach links ... noch einen ... noch einen kleinen ..."
Es ist schon passiert, dass die Maske - brav die mühsam eingerichtete Kopf- und Körperposition haltend und nahe an einem geländerlosen Kanal platziert - bei derart auf ihr Foto und nicht den Standort der Maske konzentrierten Einweisern ins Wasser gefallen ist.

Oder der Fotograf, darauf vergessend, dass hinter ihm das Kanalwasser plätschert, trat noch einen - den letzten - Schritt zurück. Nach dem Karneval gibt es deshalb immer eine Statistik, wie viele Fotografen und Masken unfreiwillig baden gegangen sind. (Leider konnte ich diese Zahlen nicht bekommen - vielleicht hat sie ja jemand von euch und kann sie mir zukommen lassen.)

Die meisten Profi-Fotografen geben sich nicht mit einer Kamera zufrieden, sondern schleppen neben einem Stativ auch noch eine riesige Tasche oder einen schweren Rucksack mit. Sie bevorzugen Extremobjektive und scheuen sich nicht, sich für den "optimalen Schuss" auf den Boden zu legen und in Pfützen zu wälzen.

Der Sinn dieses körperlichen Einsatzes ist es, die Maske bestmöglich mit den historischen Bauten oder der Skyline Venedigs zu kombinieren, wobei das Schwierigste wohl die Lichtverhältnisse sind. Ein extrem gutes Objektiv mit großem Einsatzbereich kann man käuflich erstehen - das Sonnenlicht nicht.

Während sich die Profis frühmorgendlich, noch unter sich, über die Reihenfolge am besten Punkt vor der Maske meist noch einigen können, geht es in der Touri-Masse extrem zu. Da wird gedrängt und gestoßen, gekeift und aufgebraust. Der 1-Tages-Tourist hat eben nur einen Tag Zeit - und da sollte doch jeder verstehen, dass er keine Zeit hat!

Will man auch als Hobby-Fotograf versuchen Fotos "wie die Großen" zu machen, empfiehlt es sich, eine Kamera mit gutem Zoom, Weitwinkel und guter Lichtstärke sowie einen sehr guten Zusatzblitz zu besitzen, spätestens um 6 Uhr Früh am Markusplatz zu sein, vor Reiseantritt Fotos in Karnevalsbüchern zu studieren und - das ist das ultimativ Wichtigste - stets vor dem Foto darauf zu achten, dass man auf festem Boden steht, wenn man abdrückt.



© Tatjana Suchovsky.
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